Wie helfen wir weiter?

"Guten Tag!" Ich habe schon einmal bei Ihnen angerufen. Vielleicht können Sie mir auch diesmal wieder helfen." Die Frau berichtet von körperlichen Beschwerden, Behinderungen, von falscher ärztlicher Behandlung, von Geldsorgen. Ihre Angst spüre ich am Telefon. Ich kann ihr die Sorgen und Lasten am Telefon nicht abnehmen. Lasse sie sprechen, 40 Minuten lang. Sie fühlt sich am Ende des Gesprächs etwas leichter, weil ihr jemand zugehört hat.

Der nächste Anruf. Ein Mann, der vor kurzem seine Frau verlor. Seine Stimme rührt mich an. Nichts verstellt mir den Weg zu ihm, kein Anblick, kein Geruch, keine Hemmung. Wir sind beide anonym, treffen uns im Äther. Wir unterhalten uns lange. Zuerst weint er, dann wird er ruhiger. Ein Stück Leben höre ich, begleite ihn dabei. Ich kann ihm die Tür öffnen zur Selbsthilfe in seiner Trauer.

Mitarbeiterin am Telefon

Jetzt bleibe ich eine halbe Stunde lang bei einer Mutter, die nicht weiß, wie sie sich ihrem erwachsenen Sohn gegenüber verhalten soll, der nicht mehr mit ihr sprechen will. Ich verstehe ihre Gefühle, nehme sie an, vermittle ihr das. Gebe keine Ratschläge.

Ein Dauerkonflikt mit seiner langjährigen Ehefrau ist beim Anruf des Mannes herauszuhören, der jetzt der Nächste ist. Er weiß nicht mehr weiter. Er ruft öfter bei uns an, weil er den Druck von seiner Seele reden will. Meine Vermittlungsangebote für Beratungsstellen kann er wahrnehmen. Aber er wird es nicht tun. Er hat keine Kraft mehr.

 

Die meisten Anrufer sind dankbar für unser Zuhören und Einfühlen, womit wir ihre Hilferufe auffangen.

Meistens können wir auch Wege weisen.

 

 

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PI- Bayer Stiftung unterstützt Berliner Seniorentelefon.pdf142.97 KB